Joachim Rumohr: XING ist für viele wie eine Liebe auf den zweiten Blick

Seine Seminare führt er mit Kompetenz, Humor und Esprit. Joachim Rumohr verspricht keine Wunder und verbreitet keine “Reich werden in 4 Wochen – Parolen”. Aber: Wer seinen Empfehlungen folgt und seine Tipps und Tricks für das größte deutsche Business-Netzwerk XING beherzigt, wird dieses erfolgreicher und effizienter für sich zu nutzen wissen.

Joachim Rumohr: XING ist für viele wie eine Liebe auf den zweiten Blick
Joachim Rumohr

Klaus Wenderoth: Herr Rumohr, es gibt sicherlich deutlich mehr Menschen, die zwar einen XING-Zugang haben, diesen aber kaum nutzen, als es Menschen gibt, die täglich XING als festen Bestandteil Ihrer Arbeit einsetzten. Warum ist das Ihrer Meinung nach so?

Joachim Rumohr: Das liegt aus meiner Erfahrung an der Unwissenheit über die Funktionsvielfalt von XING. Wer nicht weiß was mit XING alles machbar ist, nutzt es natürlich auch nicht.

Klaus Wenderoth: Was sind für Sie die gravierendsten 5 Merkmale, die XING von anderen, auch bekannteren Social-Media-Plattformen, unterscheidet?

- Die vielen Informationen in den Profilen der Mitglieder. Sie ermöglichen mir erst das Networking in meinem Netzwerk. Denn ohne diese Informationen wüsste ich nicht, wenn ich an welcher Stelle empfehlen könnte und welche Tipps meine Kontakte wirklich gebrauchen können.

- Die detaillierte Suche in diesen Profilinformationen. So kann ich die für mich relevanten Kontakte gezielt und schnell finden.

- Die wohl spannendste Abgrenzung ist die gezielte Suche in den Kontakten meiner bestehenden Kontakte. Damit finde ich bestehende Kontakte von mir, die mir dann jemanden vorstellen können, den ich bisher nicht kenne. Und dabei kann ich mir direkt noch weitere Informationen, Empfehlungen oder auch Kontaktdaten geben lassen.

- Die überwiegende Fokussierung auf berufliche Themen. Das auf anderen Plattformen verbreitete “soziale Rauschen” ist ein großer Zeitfresser.

- Die hohe Hilfsbereitschaft innerhalb des Netzwerks. In XING-Gruppen gestellte (Fach-)Fragen werden in der Regel innerhalb von einer Stunde und überwiegend kompetent beantwortet.

Je nach Zielsetzung, Produkt und Branche können für die Mitglieder natürlich andere Merkmale zur Unterscheidung wichtig sein. Die oben genannten sind die für mich entscheidenden Punkte, warum ich selbst vorwiegend XING nutze.

Klaus Wenderoth: Sie werden nicht müde in Ihren Seminaren immer wieder auf eine Goldene Regel hinzuweisen: “Geben oder schenken Sie den Menschen zunächst etwas! Ein “Geschäft” ergibt sich später dann oft schon fast beiläufig”. Müssen viele von uns in dieser Hinsicht einfach noch umdenken? Und: Haben Sie vielleicht ein oder zwei Beispiele dafür, wie man so ein Vorgehen in der Praxis anwendet?

Joachim Rumohr: Ja, ein Umdenken steht hier vielen noch bevor. Nicht nur die Gesetzlage zwingt den Verkäufer bei der Neukundengewinnung neue Wege zu finden. Gerade in sozialen Netzwerken mag keiner “akquiriert” werden.
Menschen die nur nehmen nennt man im Networking “Vampire”. Sie sind nicht bereit zu geben und wenn dann nur mit entsprechender Gegenleistung.

Das genaue Gegenteil empfehle ich, wenn ich in meinen Seminaren von “Geben und BEKOMMEN” spreche. Mitglieder die nach dieser Regel verfahren sind auf XING sichtbarer, weil Sie Ihrem Netzwerk oft Empfehlungen, Hinweise oder auch fachliche Beiträge geben. Dies kann ebenso nur ein Hinweis auf einen guten Artikel sein, den andere geschrieben haben. Damit fallen sie positiv auf und erhalten nicht gleich den Stempel “Will nur verkaufen!”.

Und solche Mitglieder empfiehlt man wiederum auch gern in seinem Netzwerk. Sie sind bekannt als Netzwerker, die nicht nur und sofort verkaufen wollen.

Zwei Beispiele habe ich für die Leser: Peter Claus Lamprecht der Präsentationsoptimierer verbringt jeden Tag mindestens eine Stunde nur mit Networking. Er beschäftigt sich mit seinen Kontakt und überlegt stets was er Ihnen geben könnte.

Ebenso geht Martina Bloch die Akquisefachfrau vor. Sie nutzt XING ausschließlich zum Networking und macht damit positiv auf sich aufmerksam. Die Kunden kommen dann fast wie von selbst. Ihr Wissen gibt Sie kostenlos unter anderem im http://www.akquiseblog.de/ weiter.

Wer einen Baum bis in dessen Krone erfolgreich besteigen will, steht am Anfang immer erst einmal ganz unten auf dem Boden. Gefragt sind die richtigen Überlegungen, Beobachtungen und: Eine Strategie. Wie sieht, im übertragenen Sinne, eine Strategie aus, die XING-Nutzer bis “in die Spitze” bringen kann?

Es gibt drei wichtige Schritte, die in der richtigen Reihenfolge zum Erfolg führen:

1. Ihr Profil muß nicht nur innerhalb von 5-10 Sekunden klar verständlich aufzeigen, was Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung ist. Es sollte jedem Besucher aufzeigen können, was er genau bei Ihnen finden kann. Wofür stehen Sie? Warum sollte sich Ihr Profilbesucher mit Ihnen beschäftigen? Ich habe dazu vor kurzem einen längeren Artikel veröffentlicht: “Ihnen bleiben nur 10 Sekunden – Handeln Sie JETZT!” (http://www.rumohr.de/shop/product_info.php?products_id=3)

2. Verbinden Sie sich auf XING mit allen Menschen die Sie kennen. So bleiben Sie in Verbindung und können mit Hilfe von XING mit Ihrem Kontakten netzwerken. Und Sie können nur so die Suche in den Kontakten Ihrer Kontakte nutzen.

3. Werden Sie aktiv! Machen Sie sich und Ihr Angebot bei Ihren eigenen Kontakten so bekannt, dass wirklich jeder weiß, was Sie anbieten oder suchen. Und genau hier kommt wieder das Geben. So schaffen Sie nämlich die Bereitschaft bei Ihren Kontakten oder bei neuen Kontakten, sich ausführlicher mit Ihrem Angebot zu beschäftigen.

Klaus Wenderoth: Faktor Zeit. “Ich habe keine Zeit um bei XING …”, sagen manche. “Ich nehme mir gerne die Zeit um bei XING …”, sagen andere. Haben Sie eine Empfehlung, wie man seine XING-Aktivitäten zeitlich steuern kann? Lassen sich Vorgänge sinnvoll automatisieren?

Joachim RumohrMan tut meistens das, was einem gerade am wichtigsten ist. Wer XING als brauchbares Werkzeug für sich entdeckt hat, wird es entsprechend oft nutzen. Von Automatisierungen rate ich jedoch ab. Die menschliche Kommunikation kann von Maschinen nicht ersetzt werden. Und alles was in Massen versendet wird, erkennt die Masse auch als solches. Es hat keine Wertigkeit.

Klaus Wenderoth: XING ist ganz sicher ein Marketinginstrument und auch Vertriebskanal. Und das zu vergleichbar geringen Kosten. Denken Sie, das XING, richtig und über einen längeren Zeitraum eingesetzt, andere Marketing- und Vertriebsformen substituieren (warum nicht einfach: ersetzen?) kann?

Joachim Rumohr: Ja, auf jeden Fall. Mit Dirk Kreuter, dem Experten zum Thema Neukundengewinnung, habe ich dazu ein über (http://www.rumohr.de/shop/product_info.php?products_id=3) produziert. Wir besprechen darauf im Dialog viele Verkaufstechniken und wie diese durch XING unterstützt oder auch ersetzt werden können.

Man kann beispielsweise telefonische Kaltakquise, Mailingaktionen und Adresseinkäufe ersetzen. Ferner ergeben sich neue Chancen im Empfehlungsmarketing, da ich schon vorher sehen kann, mit wem mein Kunde verbunden ist und wer davon evtl. auch für mich interessant sein könnte.

Klaus Wenderoth: Sie sind jetzt 6 Jahre und 6 Monate als Moderator, Buchautor, Trainer und Seminarleiter im Umfeld von XING tätig. Mit welchen Problemstellungen wurden Sie in dieser Zeit von Ihren Seminarteilnehmern am häufigsten konfrontiert? Gibt es Beispiele?

Joachim Rumohr: Es dreht sich immer wieder um die Positionierung, die Mitgliedersuche und um die Frage wie man im Netzwerk nachhaltig Kontakt aufnimmt. Welche Ansprache wählt man, wie sollte man sein eigenes Netzwerk aufbauen und welche Fehler sollte man von Anfang an vermeiden.

Klaus Wenderoth: XING gilt, vielleicht zu Unrecht, oft als “graue Eminenz” unter den Business-Portalen. Revolutionäre Neuerungen gibt es nicht im 3-Monats-Takt. Sehen Sie trotzdem noch Entwicklungspotential und wie könnte das, nach Ihrer Ansicht, konkret aussehen?

Joachim Rumohr: Tatsächlich hat sich nicht nur XING, sondern auch viele andere Plattformen viel zu schnell entwickelt! Das normale Mitglied kommt gerade mal mit den einfachsten Funktionen zurecht. Im Grunde wie bei den Textverarbeitungsprogrammen. Die meisten Anwender nutzen doch höchstens 10% der Funktionen. Die Anbieter treiben sich gegenseitig. Sie bieten immer mehr Möglichkeiten und wollen mit dem Wettbewerb Schritt halten. Notwendige Entwicklungen sehe ich daher vor allem in der Information über die bereits verfügbaren Möglichkeiten und Funktionen.

Vielen Dank für das Interview Herr Rumohr!

Dieses und weitere Interviews finden Sie im Expertenblog:

http://www.KlausWenderoth.de

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